"For the Tonga people like me, there is something deeply biblical about the word MULONGA, yet it is a modern story too. One of massive but unshared technology. One of plentiful water but perpetual drought."
Dominic Muntanga
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ORF texts about Tonga.Online - "Binäres Antilopenhorn-Blasen"
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Tuesday, 15 May 2001 21:11
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ORF texts about Tonga.Online
"Entwicklungshilfe aus dem Big-Blue-Van"
"Binäres Antilopenhorn-Blasen"
"Revolution oder Absturz ins Chaos?"
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Binäres Antilopenhorn-Blasen

Image  Der Kulturaustausch zwischen Österreich und den Tonga hat eine kurze, aber intensive Tradition. Die Achse verläuft von Linz nach Siachilaba. Seit den 90er Jahren besuchen österreichische Künstler die Tonga. Im August 1997 war eine Abordnung von 30 Musikern des Ngoma-Buntibe-Ensembles Simonga beim Festival der Regionen zu Gast. Sie konzertierten mit großen Trommeln und Antilopenhörnern , überquerten gemeinsam mit österreichischen Künstlern das Tote Gebirge, spielten in Linz, Freistadt und Wien und inspirierten mit ihrer Musik österreichische Komponisten wie Werner Puntigam, Peter Androsch oder Lukas Ligeti zu eigenen Stücken. Zwei CDs gibt es - "One Man - One Note" mit Tonga-Originalmusik und "Six Reflections" mit den Antworten der europäischen Komponisten.

Die Musik der Tonga ist wild. Über die Schiene folkloristischer World Music sind diese Klänge nicht vermarktbar. Deshalb wurden sie in Österreich von Beginn an in den Kontext der Avantgarde-Musik gestellt. 

Image Gewaltiger Energiestrom

Ursprünglich war Ngoma Buntibe Begräbnismusik, heute ist sie aus dem Ritual herausgelöst und wird auch jenseits traditioneller Zeremonien aufgeführt. Nur wer Simonga live erlebt hat, begreift die Wucht und die räumliche Komponente der Musik.

Auf staubigem Terrain bewegen sich Antilopenhornbläser in Richtung Trommlergruppe, umringen diese. Stampfend nähert sich ein Chor von Frauen, die hupenden Klänge erreichen einen flirrenden Höhepunkt bevor alle wieder auseinanderstreben, die umliegenden Hütten umkreisen, um auf ein unsichtbares Kommando wieder aufeinander zu zu strömen.

Die Tonga-Musik betreibt eine Extremform des in der afrikanischen Musik häufigen "interlocking". Die gespielten Muster klingen erst dann sinnvoll, wenn sie wie Zahnräder in andere Muster eingreifen, wenn kleine Einzelbeiträge im Zusammenklang einen gewaltigen Energiestrom ergeben. Nur ist bei den Tonga jedes Instrument, jeder Musiker auf einen einzigen Ton beschränkt, den er im richtigen Moment abschießen muss: one man - one note.

Image Zusammenhalt durch Musik

Man könnte die Musik der Tonga als System binärer Einzel-
entscheidungen, Ton oder Stille, 1 oder 0, auffassen, die auf der Matrix des Zusammenspiels in der Gruppe ein sinnvolles Klangereignis schaffen. In diesem Klang, dieser wild und chaotisch anmutenden Ordnung, versichert sich die Gemeinschaft ihres Zusammenhalts - auch angesichts des Todes.

Es scheint so, als wurzelte bei den Tonga das Verständnis digitaler Technologie direkt in der musikalischen Tradition. Was sollte sie aufhalten, mit neuen Maschinen, den Computern für Siachilaba und Binga, auch neues Terrain zu erobern.